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Berlin, den 27.10.2011


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ressemitteilung: Neues Insolvenzrecht - mehr Chancen zur Sanierung

Zu dem heute vom Bundestag beschlossenen Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) erklärt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger:

Mit dem heute verabschiedeten Gesetz werden Unternehmenssanierungen einfacher und effektiver. Das Insolvenzrecht ist künftig mehr denn je auf Sanierung statt auf Abwicklung von Unternehmen ausgerichtet.

Das Gesetz wird zu einem Sinneswandel hin zu einer neuen „Insolvenzkultur“ beitragen, denn es bietet überlebensfähigen Unternehmen stärker als bisher eine echte Chance zur Sanierung. Bisher wird die Insolvenz häufig mit persönlichem Scheitern und wirtschaftlichem Versagen verbunden. Zukünftig wird das Insolvenzverfahren für alle Beteiligten planbarer und effektiver und bietet so den Rahmen für eine Fortführung sanierungsfähiger Unternehmen und den Erhalt von Arbeitsplätzen.

Zu den wichtigsten Regelungen des Gesetzes gehören neben der Stärkung der Gläubigerstellung bei der Insolvenzverwalterauswahl auch der Ausbau und die Straffung des Insolvenzplanverfahrens sowie die Vereinfachung des Zugangs zur Eigenverwaltung.

Zum Hintergrund:
Mit dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) werden mehrere Reformvorhab
en zum Insolvenzrecht umgesetzt. Die Fortführung von sanierungsfähigen Unternehmen soll erleichtert und damit der Erhalt von Arbeitsplätzen ermöglicht werden. Gleichzeitig wird daran festgehalten, dass die Befriedigung der Gläubiger weiter das eigentliche Anliegen des Insolvenzverfahrens bleibt.

Die Gläubigerautonomie insgesamt wird gestärkt. Deshalb wird die Möglichkeit geschaffen, bereits im Eröffnungsverfahren einen vorläufigen Gläubigerausschuss einzusetzen, der bei bestimmten Unternehmen ein wichtiges Mitspracherecht bei der Auswahl des Insolvenzverwalters und der Anordnung der Eigenverwaltung hat. #
Das Institut der Eigenverwaltung wird durch Umkehrung des Regel-Ausnahme-Verhältnisses bei den Verfahrensvoraussetzungen gestärkt: 
Das Gericht wird dadurch gezwungen, sich ernsthafter als bisher mit den Möglichkeiten der Eigenverwaltung auseinanderzusetzen. Befürwortet der Gläubigerausschuss sie einhellig, soll das Gericht daran gebunden sein. 

Auch bei der Auswahl und Bestellung des Insolvenzverwalters, die gemeinhin als „Schicksalsfrage“ des Verfahrens bezeichnet wird, wird dieser vorläufige Gläubigerausschuss eingebunden werden. Die Beteiligung der Gläubiger wird aber nicht nur zeitlich vorverlagert. Vorgaben des Ausschusses zur Person des Verwalters – seine Eignung und Unabhängigkeit vorausgesetzt – sollen für den Richter unter bestimmten Umständen bindend sein. Künftig wird das Gericht in Insolvenzverfahren über Unternehmen, deren Betrieb noch nicht eingestellt ist und die eine bestimmte Unternehmensgröße und damit eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung haben (gemessen an ihrem Umsatz, der Arbeitnehmerzahl bzw. der Jahresbilanzsumme) verpflichtet, einen vorläufigen Gläubigerausschuss einzuberufen. Besteht ein solcher vorläufiger Gläubigerausschuss und einigen sich alle Mitglieder auf einen Verwalter, soll das Gericht hieran gebunden sein. 
Die zuweilen aufgeworfene Kritik, Großgläubiger wie insbesondere Banken könnten damit das Insolvenzverfahren dominieren, verkennt, dass es sich bei dem Gläubigerausschuss um ein Gremium handelt, in welchem alle Gläubigergruppen repräsentiert sind. Zudem muss der Gläubigerausschuss seine Entscheidungen zugunsten eines Insolvenzverwalters einstimmig treffen, so dass jedes Mitglied über ein Vetorecht verfügt.

Ein Schuldner wird zukünftig bereits bei drohender Zahlungsunfähigkeit oder bei Überschuldung die Möglichkeit erhalten, innerhalb von drei Monaten in einer Art „Schutzschirmverfahren“ unter Aufsicht eines vorläufigen Sachwalters und frei von Vollstreckungsmaßnahmen in Eigenverwaltung einen Sanierungsplan auszuarbeiten, der anschließend als Insolvenzplan umgesetzt werden kann. Das Gericht soll nicht nur regelmäßig den vom Schuldner Vorgeschlagenen als vorläufigen Sachwalter einsetzen, auf Antrag ist das Gericht dazu auch verpflichtet, Zwangsvollstreckungen gegen den Schuldner zu untersagen oder einstweilen einzustellen. Zudem darf es im Schutzschirmverfahren weder einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellen noch dem Schuldner die Verfügungsbefugnis über sein Vermögen entziehen.

Darüber hinaus soll das Instrument des Planverfahrens ausgebaut werden. Der Entwurf zielt durch eine moderate Beschränkung der Rechtsmittel gegen die Planbestätigung darauf, dass einzelne Gläubiger nicht mehr in missbräuchlicher Weise das Wirksamwerden des Plans verhindern können.

Im Rahmen des Planverfahrens können künftig als Sanierungsinstrument auch Forderungen von Gläubigern in Gesellschaftsanteile umgewandelt werden („dept-equity-swap). Die Einbindung dieses gesellschaftsrechtlichen Instruments in die Insolvenzordnung verbessert die Sanierungschancen, da Widerstände von Altgesellschaftern überwunden werden können.

Um zu vermeiden, dass Forderungen, die im Insolvenzverfahren nicht angemeldet wurden und erst nach Abschluss des Planverfahrens geltend gemacht werden, die Finanzplanung nachträglich stören, hat der Schuldner künftig die Möglichkeit, bei Vollstreckungsversuchen nach der Verfahrensaufhebung Vollstreckungsschutz durch das Insolvenzgericht zu erhalten, wenn die geltend gemachte Forderung die Durchführung des Insolvenzplans gefährdet. 

Zudem werden Verjährungsfristen für verspätete Forderungen verkürzt: Ansprüche, die nicht bis zum Abstimmungstermin angemeldet worden sind und mit denen deshalb nicht zu rechnen war, verjähren künftig in einem Jahr.

Schließlich wird das Recht der Insolvenzstatistik neu geordnet, damit in Zukunft belastbare Angaben über die finanziellen Ergebnisse und den Ausgang von Insolvenzverfahren vorliegen. 








 Berlin, den 18.10.2011

Änderungsabsichten der 
Verbraucherinsolvenz - eine Katastrophe für alle Privatinsolvenzler

 
Anlässlich der so eben zu Ende gegangen Herbsttagung von Insolvenz Anwalt 24,  eine Vereinigung von ausschließlich auf Schuldnerseite tätigen Insolvenz-rechtsspezialisten,  wurde durch eine Vertreterin des Bundesjustizministerium erstmals Einblick gegeben in die Details der Gesetzesvorlage aus dem BJM zur Änderung der Verbraucherinsolvenz.
 
Danach sei Kernstück der Neuregelung die Reduzierung der Wohlverhaltensphase (WVP) von jetzt  6 auf dann 3 Jahre.
 
Diese „Wohltat“ gibt es allerdings nicht gratis. Nur derjenige redliche Schuldner, dem es gelingt, innerhalb von 3 Jahren mindestens 25 % der Gesamtverschuldungssumme zzgl. der Gerichts- und IV/TH-Kosten  zu leisten, soll die Verkürzung beanspruchen dürfen.
 
Na super, Was für eine dramatische Verbesserung !!
 
Nein, im Ernst, diese Art von „verschlimmbessernder“ Neugestaltung ist dann doch mehr eine leicht durchschaubares Ablenkungsmanöver zur Verschleierung des wahren politischen Willens, wonach das Inso-Verfahren keineswegs zu Gunsten der Schuldner sondern vielmehr zu deren Ungunsten „modernisiert“ werden soll.
 
Dies zeigt anschaulich ein simples Beispiel: Legt man die Durchschnittsverschuldung des typischen „Insolvenzlers“ von ca. 50.000,- € zu Grunde, müsste dieser 12.500,- € zzgl. Verfahrenskosten von weiteren ca. 5.000,- insgesamt also17.500,- €  innerhalb von 3 Jahren zu zahlen in der Lage sein, d.h. ihm müssten monatlich  frei verfügbare, nicht zur Lebensgestaltung auf Sozialniveau benötigte ca. 500,-€ als „Ansparrate“  verbleiben.
 
Sorry, aber aus den mehr als 1.000 von mir anwaltlich betreuten Insolvenzverfahren
ist mir kein einziger derart leistungsfähiger Schuldner erinnerlich. Was auch absolut verständlich sein dürfte, denn bei derartiger Finanzkraft erscheint schon die Insolvenzfälligkeit fraglich. Jedenfalls wäre ein derartiger Fall in kürzester Zeit auch ohne gerichtliche Hilfe  im Verhandlungswege mit den Gläubigern zu vergleichen.
 
Das dringende Erfordernis, überhaupt einen Insolvenzantrag zu stellen, wird also bei derart liquiden Schuldnern fehlen.
 
Da aber die Zielgruppe der Verkürzungsregelung  - wie gesehen- de facto gar nicht existiert, verbleibt es regelmäßig unverändert bei der bereits nach  aktueller Gesetzeslage geltenden Dauer der WVP von 6 Jahren.
 
  
 
Aber damit nicht genug: Geplant ist weiterhin,
 
-   die Zulassungsvoraussetzungen gem. § 304 Inso zu erweitern und restriktiver anzuwenden.

-   Neuer Versagungsgrund soll sein, wenn „der Schuldner durch eine schuldhafte Handlung das Vermögen der Beteiligten geschädigt hat und deswegen verurteilt worden ist (in dieser weit gefassten Form eine Regelung, die kaum Bestand haben wird, vom kryptischen Inhalt , Ziel- und Zweckrichtung ganz zu schweigen !)
 
-   im Gegensatz zur geltenden Rechtslage, wo die Gläubiger nur im Schlusstermin mündlich Versagungsbegehren vorbringen konnten, diese für die gesamten Dauer des Verfahrens zu ermächtigen, schriftlich Versagungsanträge dem Gericht vorzulegen (was umgehend zu einer Flut von Anträgen durch solche Gläubiger  führen wird, die sich im natürlichen Sinne betrogen fühlen, es aber rechtlich gar nicht sind)
 
- neben den Gläubigern auch dem Insolvenzverwalter und dem Insolvenzgericht ein durchgreifendes Versagungsantragsrecht einzuräumen;
 
- den Insolvenzverwalter durch einen Gläubigerausschuss bestimmen zu lassen, wobei die größte Schuldsumme bei unterschiedlich vorgeschlagenen Personen den Ausschlag gibt (soll heißen: zukünftig werden die Insolvenzverwalter/Treuhänder grundsätzlich nicht mehr vom Gericht, sondern von den Banken oder FA’s als die in den meisten Fällen größten Gläubiger bestimmt, was allen bisherigen Grundsätzen eines fairen Verfahrens widerspricht);
 
Vorstehende Aufzählung geplanter Rechtsänderungen ist nicht abschließend, sondern lediglich die Darstellung der weit reichensten Änderungen. Es gibt davon noch viele weitere, natürlich sämtlich tendenziell  zu Lasten der Schuldner!
 
Die Neuregelung dürfte hiernach weniger auf einem echten politischen Änderungs- bzw. Rechtsmodernisierungswillen beruhen, sondern vielmehr in Anbetracht der sich neigenden Legislaturperiode bestimmt zu sein von der Umsetzungs-notwendigkeit des Handlungsauftrages aus dem Koalitionsvertrag, wo man seinerzeit die alsbaldige  Verkürzung der Wohlver-haltensphase (WVP) von 6 auf 3 Jahre vereinbart hatte.

Nur unter der Prämisse , die vertraglich übernommenen Verpflichtungen erfüllen zu müssen ohne dies politisch zu wollen und deswegen die Sache so zu regeln, dass der (angeblich) angestrebte Verkürzungserfolg praktisch in keinem Falle zu erreichen sein wird, lässt sich das Regelwerk nachvollziehen, gleichwohl aber weder rechtfertigen noch entschuldigen.

Wenn dann zusätzlich aber noch der zur nachhaltigen Verbesserung der Schuldnersituation gedachte Neuregelungsauftrag zum Anlass genommen wird, allgemein die Zugangs-voraussetzungen zur  Verbraucherinsolvenz , deren Durchführung und die Erfolgs-wahrscheinlichkeit anschließender Restschuldbefreiung (RSB) drastisch zu verschärfen, so ist dies m.E. an Zynismus schwer zu übertreffen, einfach nur peinlich und insgesamt unwürdig..
 
Diese Entwicklung des jungen Rechtsgebiets „Privatinsolvenzrecht“ muss unbedingt gestoppt werden.
 
Anfangs beinhaltete die Insolvenzordnung tatsächlich in vielerlei Hinsicht ein Bruch mit hergebrachten, rechtsstaatlichen Konventionen. Unter Hervorhebung des Sozialstaatsgedankens hielt es der damalige Gesetzgeber für zulässig,  massiv in die Privatautonomie der Vertragsparteien einzugreifen, dem Gläubiger faktisch ein Sonderopfer (Verlust seiner Forderungen) aufzuerlegen und dies ggf. sogar zwangsweise, um dadurch gleichzeitig redlichen Schuldnern die Möglichkeit umfassender Entschuldung bei zuvor eingetretener Überschuldung einzuräumen. Freilich sollte trotzdem eine realistische Gläubigerbefriedigung eintreten, weswegen der Insolvenzler sein pfändbares Einkommen an den Treuhänder /Insolvenzverwalter abtreten muss.
 
Allgemein war man der Ansicht , diese sog. „neue Kultur der 2.Chance“ sei zeitgemäß, notwendig und aus sozialstaatlichen Erwägungen heraus auch erforderlich. Demgegenüber habe das Erfüllungsinteresse der Gläubiger mehr oder weniger stark zurück zu treten.
 
Dann lehrte uns die praktische Anwendung des Regelwerks, dass damit deren Zielsetzung  seltenst erreicht werden konnte, weil der Schuldner entweder ohne  pfändbares Einkommen  und Vermögen keinerlei Erfüllungsbeitrag leisten konnte oder er dazu  nur in so geringem Ausmaß in der Lage war, das gerade mal die vorrangig zu tilgenden Kosten und Gebühren für Treuhänder/IV und Gericht  gedeckt werden konnten. Und dies bei 6 Jahren Restschuldbefreiungszeit.
 
Jedenfalls konnte nur in 6 % aller Insolvenzen der letzten Jahre eine nennenswerte Ausschüttung an die Gläubiger erfolgen, 94 % der Verfahren endeten demnach für die Gläubiger mit einer Quote von 0,00 EUR.
 
Spätestens jetzt ließ sich nicht mehr abstreiten, dass im Fall einer Privatinsolvenz in der Regel nur der IV Kasse macht, alle andern Beteiligten leider trotz des Verwaltungsaufwands und der bürokratischen Handhabung des Verfahrens komplett leer ausgehen.
 
Vermag nun aber ein Gesetz den mit ihm bezweckten Erfolg (Gläubigerbefriedigung) nicht zu  erreichen, ist es aufzuheben oder zielorientiert anzupassen.
 
Letzteres behauptet zwar  das BJM, mit seinem Gesetzesentwurf  zu tun, doch ist dies leider – wie oben dargestellt- so nicht zutreffend. Die Änderungsabsichten erscheinen insgesamt als Mogelpackung, weil die Verkürzung der WVP nur auf dem Papier stattfindet und der Insolvenzler insgesamt im Verhältnis zur aktuellen Rechtslage schlechter gestellt wird.
 
Insbesondere wird die Erteilung der Restschuldbefreiung derart mit Versagungsgründen und Antragsrechten Dritter überfrachtet, wodurch das Schuldnerrisiko, die letztlich angestrebte RSB schlussendlich auch tatsächlich zu erlangen, ins Unermessliche steigt, und zwar sowohl bei 6 wie auch bei 3 Jahren WVP.
 
Ist die Wahrscheinlichkeit, die Insolvenz ohne RSB zu beenden für den Schuldner aber letztlich größer, als die RSB erteilt zu bekommen, wird er sich sehr viel genauer als aktuell überlegen, ob dies den ganzen Aufwand, die Überwachung und die Kosten überhaupt lohnt.
 
Allein deswegen  dürfte sodann ein deutlicher Rückgang der Privatinsolvenz feststellbar sein, was sich politisch als Erfolg verkaufen lässt, mit moderner Sozial- und Wirtschaftspolitik aber rein gar nichts zu tun hat.
 
 
 Anstatt aus den legislativen Mängeln der geltenden Insolvenzordnung zu lernen, deren Fehler „unpolitisch“ zu analysieren und mittels Neuregelung zu beseitigen, ist das BMJ offenbar bemüht, die alten Mängel fortzusetzen und zu verfestigen, eingekleidet in eine scheinbare Verbesserung der Schuldnersituation.
 
Ein verdammt schlechter Stil und rechtsstaatlich so nicht akzeptabel
 
Im Übrigen sei noch auf Folgendes hingewiesen:
 
In fast allen anderen europäischen Ländern, die über unterschiedlich ausgestaltete Verbraucherinsolvenzregeln verfügen, greift zunehmend ein Umdenken bei der Prioritätenbestimmung von Ziel und Zweck der Insolvenz in Ansehung des ökonomischen  Wandels um sich.
 
Stand früher der Abschreckungsgedanke, die Bewahrung der (Zahlungs-)moral sowie die Disziplinierung und Stigmatisierung des Insolvenzlers im Vordergrund, gepaart mit dem Ziel einer dennoch bestmöglichen Gläubigerbefriedigung, weichen diese Zielvorgaben zunehmend  der Einsicht in die Erkenntnis, dass eine nennenswerte Gläubigerbefriedigung mittels Verbraucherinsolvenz sowieso nicht erreichbar ist, egal, ob die WVP 3,6 oder 10 Jahre andauert, dafür aber der Insolvenzler über viele lange Jahre dem Konsumentenmarkt weitgehend entzogen wird und er in vielen Fällen stattdessen äußerst gemeinschaftsschädlich staatliche Hilfen wegen insolvenzbedingter Krankheiten und Gesundheitsschäden in Anspruch nehmen muss.
 
Angesichts dieser Realität wird zunehmend der Entschuldungsgedanke in den Vordergrund gerückt, so  wie schon lange in Amerika und seit 2008  auch in Großbritannien. Wenn schon eine sinnvolle Gläubigerbefriedigung nicht erreichbar ist, soll wenigstens die Person des Schuldners schnellstmöglich zurück in die ordentliche Zivilgesellschaft entlassen werden , auf dass diese umgehend weiteren Kredite aufnehme, Steuern zahle und zum Wohle der Binnenkonjunktur konsumiere. Deswegen beträgt die reine Wohlverhaltensdauer in den meisten europäischen Ländern im Normalfalle auch nur 3 , maximal 5 Jahre.
 
Die nach den Plänen des BJM faktisch verweigerte  Verkürzung der WVP nach deutschem Recht von 6 auf 3 Jahre erscheint demgegenüber realitätsfremd, wirtschafts- und europafeindlich und insgesamt als deutliche Verschlechterung der bestehenden Rechtslage.
 
 


 
Reduzierung der "Wohlverhaltensphase" auf 3 Jahre geplant
(Beitrag RA Egerland vom 28.01.2010)
 
Mitte Januar 2010 hatte Rechtsanwalt Egerland,  der Initiator der BOfIn ,Gelegenheit, im persönlichen Gespräch mit der Bundesjustizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger die Ziele und Zwecke von BOfIn kurz zu erläutern und darzustellen. Er traf dabei auf eine höchst interessierte Zuhörerin, die sogleich feststellte, dass die Programmatik der BOfIn jedenfalls im Ansatz (faire 2.Chance gewähren, drastische Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens von jetzt 6 auf 3 Jahre) den Intentionen der FDP entspricht: Sie werde bemüht bleiben. darauf hin zu wirken, dass derartige, das geltende Insolvenzrecht entscheidend verändernde „Wirtschaftsförderungs“- Maßnahmen kurzfristig auch legislative Realität werden.  Und siehe da, wie erfreulich:
Die Bundesjustizministerin  sprach diese Thematik im Rahmen Ihrer wenig später gehaltenen  Rede bei der Haushaltsdebatte im Bundestag am 19.01.2010 dann auch gleich direkt an, wenn auch im Zusammenhang mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber doch mit umfassender, hoffnungsfroh stimmender Wirkung und Bedeutung:
 
(Auszug aus der Rede der Bundesjustizministerin, veröffentlicht auf der Homepage des Bundesjustizministeriums).
 
„.....Zunächst ist festzustellen, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise auch für die Rechtspolitik eine entscheidende Rolle spielt. Die schwerste Rezession seit Kriegsende geht auch in dieser Legislaturperiode nicht spurlos an den Rechtspolitikern vorbei. Deshalb werden wir, was das Insolvenzplanverfahren angeht, im Insolvenzrecht Änderungen vornehmen und gemeinsam mit den anderen Ressorts alles tun, was nötig ist, damit es nicht wieder zu einer Verstaatlichung einer Bank kommt, damit sich das nicht wiederholt. Deshalb werden wir ein besonderes Reorganisationsverfahren schaffen. Außerdem werden wir die Regelung zur Restschuldbefreiung ändern und die Wohlverhaltenszeit auf drei Jahre halbieren. Das soll ein Signal sein. Nicht zuletzt Gründer sollen nach einem Fehlstart eine zweite Chance bekommen...“
 
Und damit nicht genug. Wenige Tage später legte der Bundeswirtschaftsminister nach. So war am  26.01.2010 in der online –Ausgabe der  Suedeutschen im Beitrag von Thomas Öchsner Folgendes zu lesen (Auszug..):
 
Brüderle wünscht sich Gründer. Viele zögern, sich selbständig zu machen - aus Angst vor der Pleite
 
Von Thomas Öchsner
 
Berlin - Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) will die Bundesrepublik zu einem Land der Gründer machen. Bislang hinken die Deutschen hier hinterher. So wurden nach Angaben des Instituts für Mittelstand im vergangenen Jahr 410 000 Unternehmen neu gegründet. Der Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung ist mit einer Gründerquote von 3,8 Prozent im internationalen Vergleich aber bescheiden. "Das ist zu wenig", sagte Brüderle bei der Vorstellung der Initiative "Gründerland Deutschland". Nur Belgien schneide bei dem Vergleich noch schlechter ab als die Bundesrepublik.
Um mehr Erwerbstätige davon zu überzeugen, sich selbständig zu machen, ist nach Ansicht des Wirtschaftsministers "ein Mentalitätswandel nötig". Zu wenig Menschen trauten sich, mit einer erfolgversprechenden Geschäftsidee Unternehmer zu werden. Zu viele hätten auch Angst vor dem Scheitern. Wer pleitegehe, bekomme das "Kainsmal eingebrannt. Das müssen wir ändern", sagte Brüderle. Er will sich deshalb dafür einsetzen, dass gescheiterte Gründer eine zweite Chance bekommen. Dafür müsse die Bundesregierung auch das Insolvenzrecht ändern. Der FDP-Politiker denkt daran, die Frist zur Befreiung von Restschulden auf drei Jahre zu halbieren. Gespräche mit dem Justizministerium laufen bereits........“ (Ende des Auszuges)
 
 
Damit wird eindrucksvoll untermauert, dass die von BOfIn verfolgten Ziele und Zwecke absolut Ernst zu nehmende Chancen auf Realisierung für sich beanspruchen dürfen und damit – spätestens jetzt - auch die übelsten Kritiker unserer Initiative  begreifen müssen, dass die gelegentlich verlautbarte Diffamierung der BOfIn als Sammelbecken Realität verweigernder Utopisten schlicht absurd ist.
 
Vielmehr  sind wir ganz  offensichtlich auf einem guten und  richtigen Weg.
 
 
Zusammenarbeit mit Insolvenzanwalt24 EIMV ab März 2010
(Beitrag von RA Heinz Egerland vom 30.März 2010
 
Unter der Bezeichnung "Insolvenzanwalt 24" haben sich in ganz Deutschland Rechtsanwälte zusammen gefunden, die nicht nur alle hochgradig spezialisiert sind auf dem Gebiet des Insolvenzrechts, sondern sich im Interesse einer fairen Mandatsbehandlung auch einem eigens dafür konzipierten Werteordnung unterwerfen.
 
Es ist nunmehr gelungen, eine Zusammenarbeit zwischen BOfIn und Insolvenzanwalt24 herbeizuführen, und zwar dergestalt, dass an den Orten in Deutschland, wo kein Rechtsanwalt die Gesprächskreise moderiert, der örtlich zuständige Anwalt von Insolvenzanwalt 24 pro bono als Co-Moderator unterstützend an den Sitzungen teilnehmen wird, wodurch ein flächendeckend hervorragender Qualitätsstandard  aller BOfIn-Veranstaltungen gesichert sein dürfte.